„Darf mein Feigenbaum mitarbeiten?" – Ungewöhnliche Wünsche im Space
By Ines Reinhardt on Juli 6, 2026

Wer einen Coworking Space betreibt, hat Geschichten zu erzählen. Wir haben gesammelt.
Es gibt Momente im Coworking-Alltag, die kein Handbuch vorhersieht. Den Moment, wenn ein Mitglied völlig entspannt fragt, ob es seinen Hund, seine Katze und seinen Wellensittich mitbringen darf. Oder wenn jemand die Gemeinschaftsküche als persönliche Fermentier-Werkstatt entdeckt.
Wir haben uns gefragt: Was sind eigentlich die ungewöhnlichsten Dinge, die Coworking-Betreiber erleben? Und wie geht man damit um – ohne die Community zu vergraulen und ohne das eigene Konzept zu verwässern?
Erst mal: Warum überhaupt ungewöhnliche Wünsche?
Der Coworking Space ist für viele Mitglieder mehr als ein Arbeitsplatz. Er ist Rückzugsort, soziales Netz, manchmal sogar ein Stück Zuhause. Je mehr sich jemand wohlfühlt, desto mehr bringt er oder sie von sich selbst mit – im wörtlichen und übertragenen Sinne.
Das ist eigentlich ein Kompliment. Aber es stellt Betreiber vor echte Fragen: Wo hört Gastfreundschaft auf? Wo fängt Chaos an?
Wenn der Feigenbaum einzieht – eine Geschichte aus Berlin
Manchmal ist es nicht die Frage, ob man Ja sagt – sondern wie man sicherstellt, dass das Ja auch wirklich funktioniert.
Christina Hotzel, Coworking Space und Community Managerin im Rooftop Office in Berlin, kennt das aus eigener Erfahrung:
„Ein Kunde wollte seinen 40 Jahre alten Feigenbaum mitbringen. Klingt erstmal ungewöhnlich – aber ich schaue immer, dass sich alle wohlfühlen. Da eine Bananenpflanze bei der Entfaltung der Blätter mal den Bewegungsalarm ausgelöst hat, mussten wir sichergehen, dass uns das mit einem herunterfallenden Blatt vom Feigenbaum nicht auch passiert. Also haben mein IT-Kollege und ich vorher kurzerhand den tanzenden Baum gespielt: Spoiler: Der Baum ist eingezogen."
Wir lieben diese Geschichte. Nicht nur wegen des Bildes von Christina, die mitten im Coworking Space einen Feigenbaum mimt. Sondern weil sie so perfekt zeigt, was gutes Community Management eigentlich bedeutet: nicht reflexartig Nein sagen, sondern kreativ Ja möglich machen.
Ein 40 Jahre alter Feigenbaum ist kein Problem. Er ist ein Charakter. Und Spaces mit Charakter entstehen genau durch solche Momente.
Die Wünsche, über die wir alle heimlich schmunzeln
Christinas Feigenbaum ist kein Einzelfall. Aus der Coworking-Community kennen wir noch mehr solcher Momente:
Das Haustier-Dilemma: Hunde sind in vielen Spaces längst willkommen. Aber wo zieht man die Linie? Katzen? Kaninchen? Ein Mitglied, das seinen Papagei zur Videokonferenz mitbringt – stumm geschaltet, versteht sich?
Die Küchen-Frage: Die Gemeinschaftsküche ist das emotionalste Terrain im Coworking. Fisch in der Mikrowelle um 9 Uhr. Fermentiertes Gemüse, das seit Wochen auf seinen Einsatz wartet. Die persönliche Espressomaschine, die neben der Gemeinschaftsmaschine thront wie ein stiller Protest.
Der mobile Einrichter: Manche Mitglieder kommen mit mehr als einem Laptop. Eigene Monitore, eigene Lampen, eigene Pflanzen – und manchmal der Wunsch, den Flex-Desk so dauerhaft zu gestalten, dass er aussieht wie ein Privatbüro seit 1987.
Der IT-Enthusiast: „Ich schließe nur kurz meinen Server an." Klingt harmlos. Ist es meistens nicht. Eigene Hardware im Netzwerk, eigene WLAN-Hotspots, Greenscreen-Setups, die den halben Raum einnehmen – kreative Köpfe brauchen Infrastruktur, keine Frage. Aber manchmal auch klare Grenzen.
Die Wellness-Pioniere: Yoga-Matte im Flur. Aromatherapie-Diffuser am Schreibtisch. Die Kaltdusche nach dem Morgenlauf – in einem Space, der eigentlich keine Dusche hat, aber irgendwie doch eine. Wer seinen Space zur zweiten Heimat macht, bringt seine ganze Morgenroutine mit.
Was wir daraus gelernt haben – oder lernen können
Kein Wunsch ist per se falsch. Aber nicht jeder Wunsch passt in jeden Space – und das ist völlig okay.
Die Betreiber, die am entspanntesten mit solchen Situationen umgehen, haben meist eines gemeinsam: Sie haben eine klare Vorstellung davon, wer ihre Community ist – und wer nicht. Nicht als Ausgrenzung, sondern als Orientierung.
Ein paar Gedanken, die dabei helfen:
Zuhören lohnt sich – hinter jedem ungewöhnlichen Wunsch steckt ein echtes Bedürfnis. Manchmal ist es der Hinweis auf ein Angebot, das noch fehlt
Regeln dürfen menschlich sein – eine Hausordnung mit Humor wird eher respektiert als eine mit Paragraphen
Die Community entscheidet mit – Fragen wie „Hunde ja oder nein?" lassen sich oft besser gemeinsam klären als von oben
Skurrile Wünsche können Geschäftsideen sein – das Podcast-Studio, die Pet-friendly Zone, die Nap-Lounge: Viele erfolgreiche Angebote entstanden aus einer ungewöhnlichen Anfrage
Und manchmal muss man einfach den tanzenden Baum spielen – damit am Ende alle happy sind.
Frequently Asked Questions
Was dürfen Mitglieder in einen Coworking Space mitbringen?
Das hängt vom jeweiligen Space und seinem Konzept ab. Viele Coworking Spaces erlauben Laptops, eigenes Zubehör und sogar Haustiere – vorausgesetzt, es passt zur Community und stört niemanden. Ungewöhnlichere Wünsche wie große Pflanzen oder spezielle Hardware werden oft individuell geprüft. Gute Betreiber suchen nach Lösungen, bevor sie Nein sagen.
Wie gehen Coworking Space Manager mit ungewöhnlichen Mitglieder-Wünschen um?
Erfahrene Community Manager prüfen jeden Wunsch danach, ob er ins Gesamtkonzept passt und die anderen Mitglieder nicht beeinträchtigt. Statt reflexartig abzulehnen, suchen sie kreative Lösungen – manchmal bedeutet das auch, selbst den Bewegungsalarm zu testen, bevor ein 40 Jahre alter Feigenbaum einzieht.
Sind Haustiere in Coworking Spaces erlaubt?
Immer mehr Coworking Spaces sind pet-friendly, besonders für Hunde. Ob und welche Tiere erlaubt sind, variiert jedoch stark. Viele Betreiber entscheiden das gemeinsam mit ihrer Community – denn letztlich betrifft es alle Mitglieder gleichermaßen.
Was macht einen guten Coworking Space Community Manager aus?
Ein guter Community Manager sorgt dafür, dass sich alle Mitglieder wohlfühlen – und findet dabei die Balance zwischen individuellen Wünschen und dem Wohl der gesamten Community. Empathie, Kreativität und ein gutes Gespür für das Konzept des Spaces sind dabei wichtiger als starre Regeln.
Wie verhindert man Konflikte in Coworking Spaces?
Klare, aber menschlich formulierte Regeln sind die Basis. Noch wichtiger ist eine offene Kommunikation: Wenn Mitglieder das Gefühl haben, gehört zu werden, entstehen deutlich weniger Konflikte. Viele Betreiber beziehen ihre Community aktiv in Entscheidungen ein – etwa bei Fragen rund um Haustiere, Küchen-Nutzung oder Lautstärke.
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